Das BASF-Feierabendhaus ist ein Stück Ludwigshafener Stadtgeschichte. Mit seiner Renovierung betraute BASF die Architektin Nike Fiedler aus Stuttgart, die über langjährige Erfahrung im Umbauen und Sanieren von Veranstaltungs- und Dienstleistungsgebäuden verfügt. Im Interview gibt sie Einblicke in ihr Vorgehen von den ersten Schritten im Feierabendhaus bis zum “letzten Schliff”.
backstagediaries (b): Worin unterscheidet sich die Renovierung des Feierabendhauses von Ihren sonstigen Aufträgen?
Dipl.-Ing. Nike Fiedler (NF): Das Feierabendhaus hebt sich schon allein deshalb hervor, weil es der BASF bereits in der Vergangenheit als ein Ort vielfältiger Kommunikation gedient hat und darüber hinaus auch als öffentliches Veranstaltungshaus eine bedeutsame Stellung innerhalb der Stadt Ludwigshafen inne hatte.
Am Anfang aller Überlegungen zur Renovierung ging es darum, diese Tradition des Hauses in Zukunft weiter zu pflegen.
Unser Büro beschäftigt sich seit vielen Jahren mit Umbauten und Sanierungen von Gebäuden. Schwerpunkte dabei waren z.B. Dienstleistungsgebäude, Tagungshäuser oder Veranstaltungsgebäude mit einem jeweils eindeutig definierten Nutzerprofil. Im Unterschied dazu handelt es sich beim Feierabendhaus um ein multifunktionales Gebäude, in dem die vorgenannten Nutzungen gemeinsam unter einem Dach untergebracht sind und dabei nach ihrem jeweils eigenen Rahmen verlangen.
Allein aus den Aspekten der Tradition und der Komplexität der Nutzungen ergaben sich höchste Anforderungen an den Umgang mit dem Bestand, an die angemessene Umgestaltung der verschiedenen Innenräume und an die Integration der komplett zu erneuerten Gebäudetechnik.
b: Was war Ihre größte Herausforderung bei dem Projekt?
NF: Nachdem die Herausforderungen rückblickend sehr zahlreich waren, fällt es mir nicht leicht, diese Frage auf eine einzige Antwort zu reduzieren. Wie bereits angedeutet, waren vor allem in der Phase der Entwurfsplanung die spannendsten Fragen, wie mit dem Bestand umgegangen werden soll, welche Qualitäten vorhanden waren und erhalten werden können und an welchen Stellen mit neuen, gestalterischen Mitteln eingegriffen werden sollte, um am Ende ein harmonisches Ganzes zu erzielen.
Nach diesen zunächst konzeptionellen Überlegungen war es entscheidend, wie das gedankliche Bild in die Realität umgesetzt werden kann. Besonders erwähnen möchte ich an dieser Stelle, mit welcher Intensität daran gearbeitet wurde, alle bautechnischen Belange in die Planung und Bauausführung zu integrieren. Und zwar so, dass sämtliche technischen Anforderungen erreicht wurden, ohne für das Auge des Betrachters in den Vordergrund zu treten. Der Themenkatalog umfasste dabei das gesamte bautechnische Spektrum: Verstärkung des Tragwerks, Ertüchtigung des Brandschutzes, Unterbringung aller technischen Medien wie Heizung, Lüftung, Sanitär, Elektrotechnik, Küchentechnik, bis hin zur Beleuchtung der Räume und der Erfüllung der raumakustischen Belange.
Dieses gewaltige Aufgabenpaket wurde von bis zu 10 Fachdisziplinen während des gesamten Planungs- und Ausführungsprozesses in enger Kooperation und als Teamwork mit den Vertretern des Bauherrn und des Nutzers erarbeitet, koordiniert, optimiert und schließlich realisiert. Das war aus meiner Sicht die größte Herausforderung und zugleich die größte Leistung aller Beteiligten.

Fertigstellung der Decke im Festsaal des BASF-Feierabendhauses
b: Worauf sind Sie besonders stolz?
NF: Diese Frage setzt voraus, dass ich mit dem von uns geleisteten Teil der Arbeit zufrieden bin. Es versteht sich von selbst, wenn ich mich hierzu in Bescheidenheit üben möchte. Nichts desto trotz kann ich sagen, dass mir der Festsaal als zentraler Ort des Feierabendhauses von Anfang an ganz besonders am Herzen lag. Wichtig war mir hierbei, die vorhandenen Qualitäten zu erhalten und darüber hinaus dem Saal mit der neuen Decke ein modernes, festliches Gepräge zu geben. Wer heute den renovierten Saal betritt, wird den ursprünglichen Raum als solchen sicherlich wieder erkennen. Die räumliche Atmosphäre dagegen hat sich schon spürbar gewandelt. Sollten sich die zukünftigen Nutzer und Gäste im Festsaal wohl fühlen und den neuen Raumausdruck als gelungen empfinden, dann wäre ich darauf tatsächlich stolz.
b: Wie haben Sie die besonderen Anforderungen an die Akustik in die Arbeit einbezogen?
NF: Die Anforderungen an die Raumakustik wurden während der gesamten Planungszeit in enger Zusammenarbeit mit dem Bauherrn, Nutzer und den Bauphysikern abgestimmt. Begonnen wurde mit einer Analyse des Bestandes und dem Herausarbeiten vorhandener Schwachstellen.
Nach Formulieren des zukünftigen Anforderungsprofils – welche akustischen Maßnahmen sind in welchen Räumen und an welcher Stelle erforderlich? – wurde in einem integrativen Prozess mit den Planungsbeteiligten an möglichen Lösungen gearbeitet.
In diesem Zuge sind z.B. Deckensegel über dem Bühnenportal entstanden, die für einen deutlich besseren Schallaustritt von der Bühne her sorgen. Für den Konzertbetrieb wurde eine mobile, eigens auf die räumlichen Gegebenheiten des Festsaals zugeschnittene Konzertmuschel entwickelt. Zur Schaffung einer raumakustischen Behaglichkeit in den Foyers und im Restaurant wurden schallabsorbierende Decken- und Wandflächen vorgesehen. Begleitet von Berechnungsmodellen des Bauakustikers wurde die Planung dann zur Ausführungsreife weiterentwickelt – und endete nach entsprechenden Bemusterungen vor Ort schließlich in der Auswahl von geeigneten Materialien und Oberflächen.